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Hausmittel

Aus dem Buch "Sammlung vorzüglicher Hausmittel"
Verlag von Edmund Ramsdorf - Weixdorf bei Dresden um 1905

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Scharlachfieber


Das Scharlachfieber ist eine ansteckende Krankheit, und man hat daher ein Scharlachgift statuiert. Das Scharlachfig, seinem Wesen nach zwar noch unbekannt, ist ein flüchtiges Kontagium, wahrscheinlich in der Ausdünstung der Kranken enthalten und duch Mittelspersonen, welche oft selbst vom Scharlachfieber verschont bleiben, auf andere übertragbar. Von Zeit der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen ungefähr 8 Tage. Wer einmal das Scharlachfieber überstanden, wird selten zum zweiten Male davon heimgesucht. Bei herrschenden Scharlachepidemien bleiben die Säuglinge häufig verschont. Kinder, welche das zweite Lebensjahr überschritten haben, sind für die Ansteckung am meisten empfänglich. Indes werden auch Erwachsene häufig genug vom Scharlachfieber betroffen, wenn sie dasselbe nicht als Kind überstanden. Die Organge, welche beim Scharlachfieber am augenfälligsten erkranken, sind die äußere Haut, die Rachenschleimhaut und die Nieren. Der Scharlachausschlag auf der Haut beginnt mit dem Auftreten zahlreicher kleiner, dicht beieinander stehender geröteter Punkte, welche alsbald zusammenfließen und eine gleichmäßige gerötete Fläche bilden.
Die Haut ist dabei gleichmäßig angeschwollen, oft glänzend und geglättet. Bei den regulären Scharlachfällen ist auch konstant eine Entzündung der Schleimhaut zugegen und in bösartigen Epedemien nimmt die Halsaffektion nicht selten die Form der diphtheritischen Entzündung, wie bei der brandigen Bräune, an.
Damit verbinden sich dann zuweilen Entzündungen der Nase, der Ohrspeicheldrüsen, der Lymphdrüsen und des Bindegewebes am Hals, welche meist in Vereiterung oder in Brand übergehen. Ganz konstant ist mit Scharlachfieber eine Erkrankung der Nieren verbunden, welche sich durch den Abgang von Eiweiß mit dem Harn und durch Abstoßung der Nierenephitelien zu erkennen gibt. In seltenen Fällen treten andere Erkrankungen, besonders Entzündung der Gelenke, der serösen Häute des inneren Ohrs hinzu.
Die reinsten Scharlachfälle, bei welchen neben dem entzündlichen Fieber nur der Hautausschlag, die Rachenentzündung und die Blutüberfüllung der Nieren bestehen, pflegt man als einfaches, normales und gutartiges Scharlachfieber zu bezeichnen; aber auch dieses stellt immer eine schwere Erkrankung dar.
Das Stadium der Vorläufer (meist 1-2 Tage) beginnt mit wiederholtem Frösteln, seltener mit einem einmaligen Schüttelfrost. Der Kranke bekommt nun das Gefühl brennender Hitze, Brechneigung oder wirkliches Erbrechen, heftigen Kopfschmerz, das Gefühl großer Erschlaffung, eine allgemeine Schmerzhaftigkeit der Glieder. Der Durst ist gesteigert, der Schlaf gestört. Der Puls macht oft jetzt schon 120-140 Schläge in der Minute und die Körpertemperatur hat eine Höhe von 30 Grad C. und darüber. Gleichzeitig klagen die Kranken über ein Gefühl von Trockenheit und Brennen im Hals und über Schmerzen, welche durch Schlingbewegungen vermehrt werden. Die Schleimhaut der Mandeln und des weichen Gaumens zeigt sich dunkel gerötet und geschwollen.
Manche Kranke sind sehr aufgeregt oder delirieren, andere liegen teilnahmslos und apathisch da. Kinder werden nicht selten von vorübergehenden Zuckungen befallen. Andere Kranke ertragen das Vorläuferstadium viel leichter und scheinen während desselben kaum ernsthaft krank zu sein. Das Stadium des Ausbruches des Extanthems kündigt sich fast immer durch eine Steigerung des Fiebers an. Auch die Kopfschmerzen, das Schwächegefühl, die Aufregung oder Apathie des Kranken steigern sich und grade in dieser Zeit werden bei Kindern häufig konvulsivische Anfälle beobachtet. Der Scharlachausschlag erschein zuerst am Hals und verbreitet sich von dort auf den überigen Körper. Gewöhnlich ist schon nach 24-36 Stunden die ganze Haut von einer Scharlachröte überzogen. Die dunkelste Röte findet sich am Hals, an den Streckseiten der Arme und Beine, an den Gelenken, Händen und Füßen. Mit dem Ausbruch des Extanthems steigern sich die Halsbeschwerden, die Rötung des Gaumens wird stärker, die Zunge zeigt nicht bloß an den Rändern, sondern auch auf dem Rücken, von dem sich der anfangs vorhandene Belag gewöhnlich abgestoßen hat, eine dunkle Himbeerröte. Das Stadium der Blüte des Ausschlages, welches 4 bis 5 Tage anzudauern pflegt, ist dadurch charakterisiert, daß etwa am 2. Tage desselben das Fieber, der Ausschlag und die Halsbeschwerden ihren Höhepunkt erreichen. Der Harn enthält jetzt reichliche Mengen abgestoßener Nierenepithelzellen und häufig etwas Eiweiß. Auch das Allgemeinbefinden der Kranken ist zu dieser Zeit am schwersten beeinträchtigt. Dann aber pflegen sämtliche Krankheitserscheinungen langsam abzunehmen, die Pulsfrequenz und Temperaturerhöhungen herabzugehen; das Extanthem erblaßt, Schlingbeschwerden werden geringer und das Allgemeinbefinden bessert sich. Gewöhnlich am fünften Tage nach dem Ausbruch des Extanthems gebinnt das Stadium der Abschuppung.
Die Haut welche bisher gerötet war, wird blaß, rauh und spröde, und die Epidermis löst sich in vielen kleinen Fetzen oder in größeren Lappen ab; es verlieren sich auch die letzten Spuren des Fiebers und der Halsbeschwerden. Die Krankheit endigt bei normalem und gutartigem Verlauf in der 3. und 4. Woche mit vollständiger Genesung.
Was die Behandlung des Scharlachfiebers anbetrifft, so müssen zunächst die gesunden Individuen von den Kranken und von den Leuten, welche in diesen verkehren, streng abgesondert werden. Besonders bei bösartigen Epidemien ist diese Maßregel dringend zu empfehlen. Bei normalen Scharlachanfällen sorgt man für eine gleichmäßige, eher kühle als zu warme Temperatur des Krankenzimmers, welches sorgfältig und öfters gelüftet werden muß.
Als Getränk passen kühles Wasser oder eine säuerliche Limonade, als Nahrung einfache, dabei leicht nährende Suppen, Milch und dgl. Der Kranke muß bis zur beendigten Abschuppung im Bett bleiben und auch dann noch ängstlich vor Erkältung geschützt werden, daher mindestens noch 14 Tage das Zimmer hüten. Sonst ist in gutartigen Fällen keine besondere medizinische Behandlung erforderlich. Erreicht in bösartigen Fällen die Körpertemperatur eine gefahrdrohende Höhe, so leisten abkühlende Vollbäder und Einwickelungen des ganzen Körpers in nasse kalte Leinentücher vorzügliche Dienste. Diese Einwicklungen müssen 3-6 mal hintereinander in Pausen von 10-15 Minuten wiederholt werden, worauf der Kranke in das Bett geschafft wird, bis sich die neuen Einwickelungen nötig zeigen.
Von allergrößter Wichtigkeit ist bei Scharlach, sowie bei Maserkranken, stets für reine, aber nicht Zugluft zu sorgen, im Zimmer mehrmals des Tags mit durch Wasser verdünnte, reine Karbolsäure zu sprengen, nach jeder Berührung des Kranken oder der Gegenstände, welche denselben umgeben, sind die Hände in Wasser zu waschen, welchem ebenfalls etwas Karbolsäure zugesetzt ist. Das Waschwasser nebst einem nötigen Handtuch muß im Krankenzimmer zu dem Zwecke fortwährend bereit gehalten werden. Der Krankenpfleger spüle sich mehrmals des Tages den Mund aus und vermeide ganz besonders, daß er vom Kranken angeatmet oder angehustet wird. Das Krankenzimmer muß so kühl wie möglich gehalten werden und darf 15 Grad Reaumur nicht übersteigen.


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